“Schöne neue Welt” – Gedanken zu Huxleys Roman
Endlich habe ich mich dazu durchgerungen Aldous Huxleys “Schöne neue Welt” in Angriff zu nehmen.
Das wird wieder ein Buch, welches mich eine lange Weile beschäftigen wird, Fragen aufwerfen wird, und mein Bild von der eigentlichen Welt nunmehr weiter bestätigen wird. Das wird mir bereits aus der Einleitung und den ersten Absätzen des ersten Kapitel klar.
Was ist notwendig um Utopia zu schaffen, eine Welt in der alle zufrieden sind, und was ist dieser Zustand wert? Die Freiheit? Die Gefühle? Das eigentliche Leben, woraus es eigentlich besteht, nämlich aus keiner tatsächlichen Sicherheit und Beständigkeit, immer Gefahr laufend, daß sich die Umstände von einem Tag auf den anderen ändern und somit die Zukunft immer eine Gefahr der Änderung.
Man stelle sich nur vor, wir wüßten, daß die nächsten zehn Jahre konstant den gleichen Ablauf haben werden, keine Einbrüche zu befürchten wären und ein gewisser Wohlstand die Situation abrunden würde. Alles auf Kosten der Persönlichkeit, freier Entfaltung und nichtkollektiven Denkens, ergo der Individualität.Ständige Überwachung, denn der Mensch wird sich nie wirklich ändern und nur ein totalitäres System kann ihn in bestimmte Bahnen lenken und Zwängen und ihn somit “befrieden” (dieses System kennen wir ja von den aktuell geführten Kreuzzügen und Angriffskriegen in unserer Zeit – dort heißt das magische Wort “Befriedung” statt Offensive).
Wäre dieser Preis die Sicherheit, die Beständigkeit wert?
Letztendlich wäre das der Preis für Frieden in der Welt. Für viele wäre das sicherlich eine Alternative und ein allzu geringer Preis. In dieser Welt gäbe es keinen Platz mehr für freie Meinunng und Störenfriede die die Menschen zum Nachdenken bringen.
Auch dies ist nicht neu, man denke nur an Sokrates. Dieser wurde sehr unbequem, stellte die falschen Fragen und regte Diskussionen an welche nicht sein durften. Letztendlich stand er vor der Wahl der Verbannung oder des Todes, eine Hinrichtung durch Gift, den sgn. Schirlingsbecher. Dieser entschied sich für letzteres und ging mit einem gewissen Humor in den Tod, sockelte damit seinen Standpunkt über den Tod, daß dieser nämlich nicht zu fürchten sei.
Zitat (frei): “Was soll ich den Tod fürchten? Wenn ich da bin, ist der Tod nicht da, ist der Tod da, bin ich nicht mehr”.
Xanthippe wird sich dafür kaum begeistert haben. Jene die für die Kinder sorgen mußte und den erwerbslosen, unbequemen Philosophen.
Wie man es von mir gewohnt ist, bin ich ein wenig vom Thema abgewichen. Passender wäre vielleicht der Vergleich mit einem Bienenvolk, welches uns ein derartiges totalitäres und funktionelles Leben am einfachsten vormacht. Dabei bin ich kein Imker und nehme mir das Recht heraus auch Blödsinn zu erzählen. Lasse mich gerne in den Kommentaren belehren.
Wieviel ist die Freiheit wert? Wieviel ist das freie Denken, welches in der heutigen Welt ja bereits mehrfach beschnitten ist, wert?
Für die Organisatoren unserer Gesellschaften sicherlich nicht viel. Wie Huxley seinem Roman ja schon im Vorwort vorgreift, sind gewisse Kasten die Grundlage der Menschheit. Klare Definition, klare Funktion, klare Bestimmung. Diese Faktoren gehen mit einer passenden Eugenik natürlich einher.Nüchtern und ohne Vorurteile betrachtet ist diese Errungenschaft auf einer gewissen Logik aufgebaut. Sogar einer natürlichen Logik wie sie in den Entwicklungsstadien der Menscheit vielfach vorgekommen ist und eine Entwicklung erst ermöglicht hat. Man denke sich nur die Sklavenvölker der Vergangenheit weg die man sich als reine Arbeitskraft gezüchtet und gehalten hat.
Den Kernsatz von Huxleys “Schöne neue Welt” bildet jedoch ebenfalls die Grundlage der Zufriedenheit der Sklaven.
Diese sieht Huxley in der sexuellen Freiheit der einzelnen Sklaven. Würde er die heutigen Zeiten betrachten, wäre es nur eine weitere Bestätigung seiner “Schönen neuen Welt”.
Die besten Sklaven, und das war mir schon vor dem Beginn des Buches klar, die ihrer Situation entweder nicht bewußt sind oder eben mit dieser Situation zufrieden sind und in ihrer Rolle die Bestätigung für ihr Dasein finden.
Die Kaste des einfachen Arbeiters, in unserer heutigen Welt, ist eigentlich nichts anderes als jene Arbeitseinheit in der Utopie einer perfekten Gesellschaft.
November 11th, 2009 at 08:52
Was freies Denken wert ist? Alles!