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Brunnenwelt

Posted by Nord on 22. November 2008 – 10:52
Illustration aus Grimms Froschkönig, 1900

Illustration aus Grimms Froschkönig, 1900

Frau Holle hat eine neue Jungfrau und Anwärterin eingestellt! Diese hat ihre Prüfungen meisterlich bestritten und schüttelt nun Frau Holdas Federbetten aus, bedeckt die Erde mit feinstem Federkleid, signalisiert den Wunsch sich zur Ruhe zu legen.
Zumindest bis zum Frühjahr, wenn alles wieder erweckt wird und mit neuer Schöpfungskraft die wunderbarsten Dingen zaubert.

Wieder einmal mußte eine junge Frau den Weg durch den Brunnen suchen, sich in die Tiefe stürzen um in Höhen erhoben zu werden, und um dann letztendlich am Ende dieses Weges hoch über den Wolken geprüft zu werden.
Ein schwer behangender Apfelbaum wird erlöst durchs Schütteln, ein Brot wird von der verbrennenden Glut des Ofens vor seinem Feuertod gerettet. Diese Hilsfbereitschaft eines jungen Mädchens wird belohnt.
Eine weise Frau, die Frau Holda, Holle, Urđ, nimmt sie in ihre Dienste.
Ihre Lehrzeit verbringt sie damit von der Brunnenwelt aus die Federbetten von Frau Holle auszuschütteln.

Der Brunnen spielt in der Menschheitsgeschichte eine sehr wichtige Rolle, nicht zuletzt wegen seines lebenserquickenden Inhaltes, sonder wegen seiner Eigenschaften.
So ist der Brunnen oftmals ein Zeichen des Glückes, was auch der oben beschriebenen jungen Frau zum glücke verhalf als sie nach ihrer Dienstzeit zurückkehrte, und Frau Holle sie überaus reich mit einem Goldregen beschenkte für ihren Einsatz und ihre Hilfsbrereitschaft.

Miameide – steht auf der Heide –
Hat ein grün’s Röcklein an.
Sitzen drei schöne Jungfern daran.
Die eine schaut nach vorne,
die andre in den Wind.
Das Weibsbild an dem Borne
hat viele, viele Kind.

Erste und einzig bekannte Strophe aus einem Volkslied welches beim Holleloch bei Schlitz gesungen wurde.

Der Brunnen scheint einer magischen Fügung nahe zu liegen als Medium, als Spiegel der einem die Zukunft zeigt, als Tor zu einer anderen Welt oder Dimension.
Menschen gelangen durch die tiefen Brunnen in eine fremde Welt, in die Brunnenwelt oder auch Anderswelt.
Sofern es sich hier nicht um eine weitere Umschreibung der Hohlwelttheorie handelt, so ist es zumindest die Beschreibung von einer belebten Höhlenwelt, die zwar unserer Welt ähnlich, aber voller Wunder ist.

Eine weit verbreitete Vorstellung war es, daß die Brunnen untereinander verbunden waren und ein großes Netzwerk bildeten. Die in Brunnen lebenden Wesen konnten sich dann ungestört fortbewegen.

Zurück zur Brunnenwelt der werten Frau Holde.
Ein bisher nicht gänzlich geklärtes Merkmal der Andersartigkeit dieser Frau sind ihre “langen Zähne”.
Diese großmütterlich wirkende alte Frau soll, dem Mädchen was durch den Brunnen in ihre Dienste ging, lange Zähne besessen haben.
Um hier nicht auszuffern möchte ich auf die Erklärungsversuche verzichten. Diese geben keine wirkliche Auskunft und schwanken zwischen sexueller und mythologischer Natur, soviel sollte gesagt werden.

Was bedeutet diese Brunnenwelt, was bedeutet der Brunnen als mythologisches Tor zur Anderswelt, zur Hölle (worin sich auch schon der Namen der Frau Holle wiederspiegelt), welches schon Hartmann von Aue in seinem Iwein inspirierte (auf Grundlage von Chrétien de Troyes Artusromanen, Yvain ou Le Chevalier au lion).
Dort jedoch erschlug Iwein den Wächter des Brunnens Askalon. Für Iwein stellte der Brunnen die letzte meisterliche Prüfung dar. Hier hat mich eher die Wächterrolle interessiert. Wer war Askalon, und was stellte er dar?
Nach einer relativ kurzen Recherche scheint die Verbindung recht klar zu sein.
Verwendete Hartmann von Aue die Gaza-Stadt als Vorbild für den Wächter des Brunnens, der Tores in ein Paradies?

Wappen on Askalon

Wappen on Askalon

Ohne mich weiter mit der Stadt zu befassen, fiel mir sofort das heraldische Zeichen der Stadt auf: eine mächtige Säule die von Himmel und den Sternen hinab in die tiefen Wasser und einer Welle hinabreicht. An dem Fuß der Säule ist ein Zahnrad, vielleicht ein Wasser – oder Förderrad angebracht.
Wie alt die abgebildeten Symbole auf diesem Wappen sind vermag ich nicht sagen. Der Symbolismus ist aber sehr interessant, zumal die Stadt eine sehr lange Geschichte vorweist, welche bereits von den Ägyptern erwähnt wird. Es ist daher anzunehmen, daß es schon ein lange davor einen Lebensraum für die Menschen bot.

Zum Thema Brunnen und Brunnen, Anderswelt gibt es eigentlich so viel Material, daß ich mich entschloss mal einen oder mehre, weitere Artikel zu schreiben zu gegebener Zeit.

Vielleicht hilft dieser Beitrag auch einen Umriss dieser Thematik zu schaffen, wenn er auch viele Fragen offen lassen wird.

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  1. 1. rote Gräfin Said:

    Das ist hier ja total spannend.

    Merkwürdig ich habe beim ersten flüchtigen Hinsehen bei dem Wappen gemeint einen Uterus mit Eierstöcken entdeckt.

    Auf den zweiten Blick nehme ich eine Säule wahr, an deren Fuß sich das Zahnrad befindet.

    Eigentlich ist das Wappen ein Symbol für die schönste Nebensache der Welt und das Zahnrad ein Symbol für den Wirbel den es im Menschen auslöst, wenn es mit Liebe verbunden ist.

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